Cera Microcristallina




Cera Microcristallina ist die INCI-Bezeichnung für spezielle mikrokristalline Wachse - eine Mischung langkettiger, unpolarer, aus Roh-Erdöl gewonnener Substanzen, die feinkristallin vorliegen. Chemisch handelt es sich um ein Gemisch aus sehr langkettigen (in etwa C35 bis C50), gesättigten Kohlenwasserstoffen ([[Alkane]], Isoalkane). Die genaue Zusammensetzung variiert hierbei in Abhängigkeit von den verwendeten petrochemischen Rohstoffen sowie Herstellungsmethode, Herstellungsort und Art der Reinigung.

Die Bezeichnung mikrokristallin bezieht sich hierbei auf die Kristallisation der Kohlenwasserstoffe nach der Destillation zu sehr kleinen, nadelförmigen Kristallen. Cera ist der aus dem lateinischen übernommene Begriff für ''Wachs''.

 

Eigenschaften

Die mikrokristallinen Wachse unterscheiden sich von den Paraffinen, ebenfalls aus Erdöl hergestellte Produkte, die im Wesentlichen aus langkettigen Normal-Alkanen bestehen. Im Cera Mikrocristallina treten vor allem verzweigte, aber auch feste cyclische - so genannte naphthenische - Kohlenwasserstoffe auf. Hierbei ist die mikrokristalline Struktur auf die Hemmung der Kristallisation durch die verzweigten Seitenketten der Moleküle zurückzuführen.

Das für die Weiterverarbeitung im Handel erhältliche Rohprodukt ist eine weiße bis schwach bernsteinfarbene bzw. cremefarbene, wasserunlösliche, geruchlose, elastische, klebrige Masse, die in der Verformung flexibler ist, als vergleichbare Paraffine. Der Schmelzpunkt liegt im Bereich von 60 bis 90 Grad Celsius, die Dichte bei 15 °C um 0,92. Löslich ist die Substanz in Alkohol, Tetrachlorkohlenstoff, Chloroform.

 

Herstellung

Mikrokristalline Wachse werden aus rohem, also unbehandeltem Erdöl verschiedener Herkunft (in der Regel: Mittlerer Osten, Nordamerika) gewonnen. Das Rohöl wird dazu zunächst einer Vakuumdestillation unterworfen; die verbleibenden Rückstände enthalten Asphalt, das abgetrennt wird. Es folgen Raffination und Entfernung der Paraffine. Schließlich wird das Rohprodukt entölt und mittels fraktionierter Kristallisation auskristallisiert.

Da so erhaltenen, entölten Mikrowachse sind noch dunkelgelb bis dunkelbraun gefärbt und weisen einen Geruch auf, so dass eine weitere Aufarbeitung angezeigt ist: Mögliche Verfahren sind die Lösungsmittelextraktion, die Entfärbung unter Verwendung von Ton oder Bauxit oder auch die katalytische Hydrierung in Gegenwart spezieller Katalysatoren.

Unabhängig von den eingesetzten Methoden und Verfahren resultieren Produkte, die sich in den chemischen und physikalischen Eigenschaften nur wenig unterscheiden.

 

Verwendung

In der EU sind mikrokristalline Wachse, E 905, als Lebensmittelzusatzstoffe in der Funktion als Trennmittel und Überzugsmittel für bestimmte Produkte ohne Mengenbegrenzung zugelassen: Süßwaren (außer Schokolade), Kaugummi, Melonen, Mango, Papaya und Avocado.

Die Kosmetikindustrie verwendet mikrokristalline Wachse unter Nennung des INCI-Namens Cera Microcristallina in einer Vielzahl von Produkten, unter anderem auch als Grundlage für Cremes. Vor der EU zugelassene Funktionen für den Einsatz der Wachse in kosmetischen Produkten sind: Bindemittel, Emulsionsstabilisator, Viskositätskontrolle, Trübungsmittel.

 

Gesundheitliche Aspekte

Cera microcristalline Wachse sind seit Jahrzehnten in kosmetischen Produkten wie zum Beispiel Hautcremes sehr bekannter Marken im Handel, ohne dass über schwerwiegende gesundheitliche Beschwerden bei Anwendung berichtet wurde - obwohl es sich um ein intensiv chemisch aufgearbeitetes, synthetisches Produkt aus Erdöl handelt!

Entsprechende toxikologische Studien und Bewertungen ergaben ebenfalls kein sichtbares Gefahrenpotential für die Gesundheit. Das mag an der Art der in den Wachsen vorliegenden langkettigen Verbindungen liegen, die weder vom Körper aufgenommen noch vom Stoffwechsel verwertet werden können.

 

Quellen und Literaturhinweise

[1] - Cera Microcristallina.
CosIng, Europäische Stoffdatenbank für Inhaltsstoffe der Kosmetika.

[2] - EFSA:
Scientific Opinion on the re-evaluation of microcrystalline wax (E 905) as a food additive.
EFSA Journal, (2013), DOI 10.2903/j.efsa.2013.3146, open access.


Aktualisiert am 19. Dezember 2016.







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