|

Kaffee-Mensatasse
Photocase.de, airbros
|
Bereits seit längerem bekannt ist die
Tatsache, dass Melanoidine als Radikalfänger im Körper antioxidativ
wirken können. Neu ist nun jedoch die Beobachtung, dass sich
insbesondere die hochmolekularen Melanoidin-Verbindungen auf ihrem Weg
durch den Darm an bestimmte Metalle wie zum Beispiel Zink binden
können. Eine bestimmte Art von Enzymen, die so genannten
Matrix-Metalloproteasen (MMPs), benötigen Zink aber, um chemisch
wirken zu können. MMPs werden folglich von den Farbstoffen in ihrer
Wirkung gehemmt. Nun bilden auch Krebszellen MMPs, um sich im Gewebe
ausbreiten zu können. Könnte es also sein, dass Kaffee hilft, die
Entstehung von Tumoren zu hemmen?
Letitia de Marco, die als DAAD-Stipendiatin aus Brasilien seit zwei
Jahren am Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität
Dresden arbeitet, nahm sich des Themas im Rahmen ihrer Promotion an.
Sie hat untersucht, welche zinkhaltigen Enzyme durch die Melanoidine
des Kaffees gehemmt werden. Im Rahmen einer von ihr betreuten
Diplomarbeit stellte sich heraus, dass es spezifische strukturelle
Aspekte gibt, die die Melanoidine des Kaffees nur mit ganz bestimmten
zinkhaltigen Enzymen reagieren lassen - eines davon wird durch
schädliche Tumore überproportional produziert. Zum ersten Mal hat sie
so zumindest im Reagenzglas nachweisen können, dass die Melanoidine,
die im Kaffee enthalten sind, als spezifische Hemmstoffe für einzelne
MMPs fungieren können.
Der nächste Schritt der Forscherin wird sein, herauszufinden, ob sich
die MMPs auch in lebenden Zellkulturen hemmen lassen. Dann könnte
Kaffee nämlich wirklich auf eine ganz neue Art in den Fokus der
Mediziner geraten: als therapiebegleitendes Heilmittel. Bis dahin,
lächelt Prof. Henle, sollte man erst einmal seinen Adventskaffee ganz
entspannt genießen. Die Forschung über die bioaktive Wirkung von
Röstkaffee steht nämlich noch ganz am Anfang.
|