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Publiziert am 29.01.2007 Infos zum Internetchemie RSS News Feed

Nanoperlen, die unter die Haut gehen


 
Für die Entwicklung von Lipidnanopartikeln erhalten die Pharma-Forscher Rainer H. Müller und Monika Schäfer-Korting den Transferpreis WissensWerte 2007.

Winzige Fettkügelchen in Nanometer-Größe (Lipidnanopartikel) können medizinische Wirkstoffe schonend und ohne Nebenwirkungen in den Körper transportieren. Am Institut für Pharmazie der Freien Universität (FU) haben die Professoren Rainer H. Müller und Monika Schäfer-Korting in den letzten Jahren die Beschaffenheit der Lipidnanopartikel grundlegend untersucht und ihre Anwendung im Bereich der Dermatologie entscheidend vorangetrieben. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten und den engen Kontakt zur Pharma- und Kosmetik-Industrie, der bis zur Entwicklung von Produktionsanlagen reichte, wurden die beiden Berliner Forscher jetzt mit dem "Transferpreis WissensWerte" des TSB Förderverein Technologiestiftung Berlin e.V. ausgezeichnet. Die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises findet am 29. Januar 2007 im Rahmen des Technologietransfertages in Berlin statt.

Der Einsatz von Lipiden (Fetten) als Wirkstoffträger ist schon seit einigen Jahrzehnten gebräuchlich, doch sind die Anwendungsfelder durch ihre vergleichsweise geringe Stabilität und verkürzte Haltbarkeit eher begrenzt. Daher sucht die Forschung nach Wegen, die Struktur der Liposomen so zu verändern, dass sie Wirkstoffe in größerem Umfang und in längerer Dauer aufnehmen können. Hierbei kommen Methoden der Nanotechnologie zur Anwendung.

Am FU-Institut für Pharmazie entwickelte Professor Rainer H. Müller seit Ende der 90er Jahre eine neue Generation von Lipidnanopartikeln, die sogenannten Nanostrukturierten Lipid Carrier (NLC), die unter der Bezeichnung "Nanopearls" inzwischen auch weltweit patentiert sind. Dabei wird die Struktur der Lipidmoleküle so verändert, dass künstliche Fehlstellen entstehen, in die die Wirkstoffe eingelagert werden können. Mit dem FU-Verfahren kann eine Lipidpartikel bis zu fünfmal mehr Wirkstoffe aufnehmen als dies mit anderen Techniken vorher möglich war.

Gleichzeitig war es für die FU-Forscher ein Anliegen, ihre neuen wissenschaftlichen Methoden durch den Kontakt mit der Industrie in eine wirtschaftliche Anwendung zu bringen. So wurde die Lipidnanopartikel-Technologie an das Berliner Unternehmen CLR GmbH auslizensiert, das auf dieser Grundlage kosmetische Zwischenprodukte günstiger herstellen kann. Mit anderen Unternehmen wurden Anlagen für die Produktion von Klinikmustern und die großtechnische Herstellung entwickelt.

Prof. Monika Schäfer-Korting kümmerte sich mit ihrer Arbeitsgruppe am selben Institut um die Einsetzbarkeit der Lipidnanopartikel für die Haut, sowohl in medizinischer wie in kosmetischer Hinsicht. Dazu wurden unter anderem "Targeting"-Techniken entwickelt, die die Moleküle aus den Nanoperlen in eine bestimmte Hauttiefe wandern lassen, wo sie dann ihre Wirkung entfalten.

Der "Transferpreis WissensWerte" war vom TSB Förderverein Technologiestiftung Berlin e. V. (TSB-Förderverein) in diesem Jahr zum vierten Mal ausgeschrieben worden. Zur Bewerbung waren Wissenschaftler aller naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen einschließlich Medizin und Mathematik an universitären und außeruniversitären Einrichtungen in Berlin aufgerufen, deren Forschungsarbeiten erfolgreich in wirtschaftliche Anwendungen transferiert werden konnten. In den Vorjahren waren Forscher des Berliner Universitätsklinikums Charité, des Ferdinand-Braun-Instituts für Höchstfrequenztechnik (FBH) und des Instituts für Spektrochemie und angewandte Spektroskopie (ISAS) ausgezeichnet worden.

 

Die FU Berlin gibt dazu bekannt:

Prof. Dr. Monika Schäfer-Korting und Prof. Dr. Rainer H. Müller vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin sind mit dem Transferpreis WissensWerte des Fördervereins Technologiestiftung Berlin e. V. ausgezeichnet worden. Sie erhalten die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung für das Projekt "Nanopearls - Nanotechnologie zur optimierten dermalen Wirkstoffapplikation". Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem kosmetische und pharmazeutische Cremes mit bis zu fünfmal mehr Wirkstoffen beladen werden können als bisher. Dafür wird das zuvor mit einer einheitlichen Molekülstruktur produzierte Trägersystem der Creme aus Lipidnanopearls mit möglichst vielen Fehlstellen versehen, in die sich die Wirkstoffe einlagern können. Die Innovation wird bereits von einigen Kosmetikfirmen genutzt. Die gezielt mit Fehlstellen versehenen Lipidnanopartikel sind aber auch in anderen Bereichen einsetzbar. So könnten sie in Medikamente eingearbeitet werden oder bei Lebensmitteln, Waschmitteln und Schuhcremes zu Produktverbesserungen führen.

n ihrer Begründung hob die Jury die bereits eingeleitete erfolgreiche Verwertung der 'Innovation hervor. Für den Vorsitzenden des Fördervereins Technologiestiftung Berlin e. V., Norbert Geyer, sind die in Berlin entwickelten Nanopearls ein gutes Beispiel für die Zukunftspotenziale, die die Berliner Wissenschaft bietet. "Wichtig ist es, durch Beispiele immer wieder auf die Chancen hinzuweisen, die das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft schafft. Genau hierfür haben wir den Transferpreis ins Leben gerufen. Ich freue mich, dass wir mit unseren Preisträgern auch dieses Jahr wieder ein gutes Beispiel dafür gefunden haben, wie erfolgreich Technologietransfer sein kann."

Der Berliner Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch erklärte, die Entwicklung der Preisträger sei Beleg dafür, dass die Innovationspolitik des Landes mit ihrer Konzentration auf bestimmte Kompetenzfelder richtig liege. Innovationen wie die jetzt prämierte zeigten, dass Berlin auf dem Weg zum führenden Life Science-Cluster Deutschlands sei.


 

Quellen und Artikel:

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TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin

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Freie Universität Berlin

 

Weitere Informationen:

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