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Der Einsatz von Lipiden (Fetten) als Wirkstoffträger ist schon seit
einigen Jahrzehnten gebräuchlich, doch sind die Anwendungsfelder durch
ihre vergleichsweise geringe Stabilität und verkürzte Haltbarkeit eher
begrenzt. Daher sucht die Forschung nach Wegen, die Struktur der
Liposomen so zu verändern, dass sie Wirkstoffe in größerem Umfang und
in längerer Dauer aufnehmen können. Hierbei kommen Methoden der
Nanotechnologie zur Anwendung.
Am FU-Institut für Pharmazie entwickelte Professor Rainer H. Müller
seit Ende der 90er Jahre eine neue Generation von Lipidnanopartikeln,
die sogenannten Nanostrukturierten Lipid Carrier (NLC), die unter der
Bezeichnung "Nanopearls" inzwischen auch weltweit patentiert sind.
Dabei wird die Struktur der Lipidmoleküle so verändert, dass
künstliche Fehlstellen entstehen, in die die Wirkstoffe eingelagert
werden können. Mit dem FU-Verfahren kann eine Lipidpartikel bis zu
fünfmal mehr Wirkstoffe aufnehmen als dies mit anderen Techniken
vorher möglich war.
Gleichzeitig war es für die FU-Forscher ein Anliegen, ihre neuen
wissenschaftlichen Methoden durch den Kontakt mit der Industrie in
eine wirtschaftliche Anwendung zu bringen. So wurde die
Lipidnanopartikel-Technologie an das Berliner Unternehmen CLR GmbH
auslizensiert, das auf dieser Grundlage kosmetische Zwischenprodukte
günstiger herstellen kann. Mit anderen Unternehmen wurden Anlagen für
die Produktion von Klinikmustern und die großtechnische Herstellung
entwickelt.
Prof. Monika Schäfer-Korting kümmerte sich mit ihrer Arbeitsgruppe am
selben Institut um die Einsetzbarkeit der Lipidnanopartikel für die
Haut, sowohl in medizinischer wie in kosmetischer Hinsicht. Dazu
wurden unter anderem "Targeting"-Techniken entwickelt, die die
Moleküle aus den Nanoperlen in eine bestimmte Hauttiefe wandern
lassen, wo sie dann ihre Wirkung entfalten.
Der "Transferpreis WissensWerte" war vom TSB Förderverein
Technologiestiftung Berlin e. V. (TSB-Förderverein) in diesem Jahr zum
vierten Mal ausgeschrieben worden. Zur Bewerbung waren Wissenschaftler
aller naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen
einschließlich Medizin und Mathematik an universitären und
außeruniversitären Einrichtungen in Berlin aufgerufen, deren
Forschungsarbeiten erfolgreich in wirtschaftliche Anwendungen
transferiert werden konnten. In den Vorjahren waren Forscher des
Berliner Universitätsklinikums Charité, des Ferdinand-Braun-Instituts
für Höchstfrequenztechnik (FBH) und des Instituts für Spektrochemie
und angewandte Spektroskopie (ISAS) ausgezeichnet worden.
Die FU Berlin gibt dazu bekannt:
Prof. Dr. Monika Schäfer-Korting und Prof. Dr. Rainer H. Müller vom
Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin sind mit dem
Transferpreis WissensWerte des Fördervereins Technologiestiftung
Berlin e. V. ausgezeichnet worden. Sie erhalten die mit 10.000 Euro
dotierte Ehrung für das Projekt "Nanopearls - Nanotechnologie zur
optimierten dermalen Wirkstoffapplikation". Dabei handelt es sich um
ein Verfahren, mit dem kosmetische und pharmazeutische Cremes mit bis
zu fünfmal mehr Wirkstoffen beladen werden können als bisher. Dafür
wird das zuvor mit einer einheitlichen Molekülstruktur produzierte
Trägersystem der Creme aus Lipidnanopearls mit möglichst vielen
Fehlstellen versehen, in die sich die Wirkstoffe einlagern können. Die
Innovation wird bereits von einigen Kosmetikfirmen genutzt. Die
gezielt mit Fehlstellen versehenen Lipidnanopartikel sind aber auch in
anderen Bereichen einsetzbar. So könnten sie in Medikamente
eingearbeitet werden oder bei Lebensmitteln, Waschmitteln und
Schuhcremes zu Produktverbesserungen führen.
n ihrer Begründung hob die Jury die bereits eingeleitete erfolgreiche
Verwertung der 'Innovation hervor. Für den Vorsitzenden des
Fördervereins Technologiestiftung Berlin e. V., Norbert Geyer, sind
die in Berlin entwickelten Nanopearls ein gutes Beispiel für die
Zukunftspotenziale, die die Berliner Wissenschaft bietet. "Wichtig ist
es, durch Beispiele immer wieder auf die Chancen hinzuweisen, die das
Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft schafft. Genau hierfür
haben wir den Transferpreis ins Leben gerufen. Ich freue mich, dass
wir mit unseren Preisträgern auch dieses Jahr wieder ein gutes
Beispiel dafür gefunden haben, wie erfolgreich Technologietransfer
sein kann."
Der Berliner Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch erklärte, die
Entwicklung der Preisträger sei Beleg dafür, dass die
Innovationspolitik des Landes mit ihrer Konzentration auf bestimmte
Kompetenzfelder richtig liege. Innovationen wie die jetzt prämierte
zeigten, dass Berlin auf dem Weg zum führenden Life Science-Cluster
Deutschlands sei.
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