|
Ohne Salz (Natriumchlorid) können weder Mensch noch Tier leben. Pflanzenfressende Tiere (Herbivoren) riskieren ihr Leben, um an Salz zu kommen. Fleischfressende Tiere fressen Herbivoren, und decken auf diese Weise unter anderem ihren Salzbedarf. Salz reguliert den Wasserhaushalt des Körpers. Es wird vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen, das meiste davon scheiden die Nieren wieder aus. Jedoch speichert der Körper Salz in den Zellen und in den Bereichen zwischen den Zellen, dem Interstitium. Dr. Jens Titze aus Erlangen und Forscher aus Berlin, unter ihnen Dr. Dominik N. Müller, Dr. Wolfgang Derer sowie Professor Friedrich C. Luft vom Experimental and Clinical Research Center des MDC, konnten jetzt zeigen, dass sich Salz im Interstitium der Haut von Laborratten ablagert, wenn ihre Nahrung einen hohen Salzanteil hat. Dieser Speicherprozess wird von weißen Blutzellen, den Makrophagen gesteuert. In diesen Blutzellen entdeckten die Forscher einen Genschalter, TonEBP (tonicity-responsible enhancer binding protein) genannt. Dieser Genschalter wird bei sehr salzhaltiger Nahrung in den Makrophagen angedreht. TonEBP wiederum schaltet ein Gen an (VEGF-C- vascular endothelial growth factor C), das die Bildung von Gefäßen im lymphatischen System reguliert. Das Lymphgefäßsystem spielt nicht nur bei der Körperabwehr eine wichtige Rolle, sondern auch beim Flüssigkeitstransport und für den Blutkreislauf. Geht die Zahl der Makrophagen zurück, oder fehlt die Bindestelle für das VEGF-C-Gen, können die Tiere schlechter Salz aus der Haut mobilisieren. Sie bekommen Bluthochdruck, stellten die Forscher fest. Noch aber ist dieser Prozess und seine Bedeutung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Menschen nicht vollständig verstanden.
Die Universität Erlangen-Nürnberg gibt hierzu
bekannt:
Neue Erkenntnisse über die Ursachen von Bluthochdruck
|

|
|
Fresszellen (Makrophagen, rot) im Bindegewebsraum der Haut.
Abbildung: Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin
|
Die Haut ist offenbar ein wichtiger Salzspeicher
des Körpers, und der Transport von Körperflüssigkeit im Hautgewebe
wird durch die Salzzufuhr beeinflusst und hat Auswirkungen auf den
Blutdruck. Diese neuen und unerwarteten Erkenntnisse veröffentlichten
Forscher an den Kliniken für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am
Universtätsklinikum Erlangen und Klinikum Nürnberg in einer Ausgabe
von Nature Medicine [siehe unten].
Diese Arbeiten vermitteln neue Erkenntnisse über
einen Zusammenhang zwischen Salzzufuhr und Bluthochdruck. Etwa ein
Drittel der Bevölkerung ist vom Bluthochdruck betroffen, und erhöhter
Blutdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für
Gefäßveränderungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenerkrankungen.
Kochsalz ist ein unverzichtbarer
Nahrungsbestandteil. Doch was vor Jahrhunderten ein rares und teures
Gut war, stellt heute eine unüberschaubare Belastung dar. Es ist
unbestritten, dass die tägliche Kochsalzzufuhr in Industrieländern
weit über dem tatsächlichen Bedarf liegt. Wie der Körper mit vermehrt
zugeführtem Kochsalz umgeht und welche langfristigen Gesundheitsfolgen
sich daraus ergeben, ist aber umstritten. Überschüssiges Salz wird
über die Nieren wieder ausgeschieden, kann aber offensichtlich auch in
der Haut "zwischengelagert" werden.
Der Speicherprozess in der Haut wird, wie die
Arbeitsgruppe von Dr. Jens Titze, (Medizinische Klinik 4 und
Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin) jetzt gemeinsam mit
Kooperationspartnern aus Berlin, Hannover, Kulmbach, München,
Regensburg, Wien und Helsinki zeigen konnte, von Fresszellen,
sogenannten "Makrophagen" gesteuert. Die Forscher fanden heraus, dass
in diesen Zellen ein Genschalter bei salzhaltiger Nahrung aktiviert
wird. Daraufhin kommt es zur vermehrten Bildung eines Wachstumsfaktors
(VEGF-C), der die Bildung von Lymphgefäßen steuert. Wird diese
Neubildung gehemmt, bleibt zuviel Salz in der Haut gespeichert und der
Blutdruck steigt an. Die Beobachtung, dass Patienten mit schwer
einstellbarem Bluthochdruck deutlich erhöhte Spiegel dieses
Wachstumsfaktors im Blut haben, weist auf die Relevanz dieser Befunde
für die Bluthochdruckentstehung beim Menschen hin.
Die Kliniken für Nieren- und Hochdruckkrankheiten
am Universitätsklinikum Erlangen und Klinikum Nürnberg (Direktor:
Prof. Dr. Kai Uwe Eckardt) bilden im Verbund eines der weltweit
größten Forschungs- und Behandlungszentren auf diesem Gebiet. Die
Erforschung von Nieren- und Kreislauferkrankungen stellt einen der
vier Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät der Universität
Erlangen-Nürnberg dar.
|