Früher wurde Quecksilber vorrangig in elektrischen Schaltern, Thermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten verwendet. Heute kommt es immer weniger zum Einsatz, relevante Mengen findet man noch in Hochdruckdampflampen für Industrie und Straßenlaternen und in Spezialbatterien. Gesundheitsbeeinträchtigungen sind durch Quecksilberdämpfe möglich und bei längerfristigem, direktem Hautkontakt. Bei der Aufnahme über den Verdauungstrakt ist metallisches Quecksilber vergleichsweise ungefährlich. Werden nur kleine Mengen oral aufgenommen, z.B. der Inhalt eines Fieberthermometers, werden keine relevanten Mengen resorbiert.
Organische Verbindungen von Quecksilber sind deutlich toxischer als metallisches Quecksilber. Die toxische Wirkung von Quecksilber beruht auf seiner Fähigkeit, Eiweiß zu verändern und wichtige Enzyme zu hemmen. Anzeichen einer akuten Vergiftung, nach Inhalation von Quecksilberdampf aus erhitztem Quecksilber beispielsweise, sind Atemnot, Bronchitis, Fieber und Kopfschmerzen. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Wirkung von Quecksilberverbindungen als chronisches Gift. Schwere Veränderungen im Nervensystem mit Folgen für die Motorik und das Allgemeinbefinden, Hautsymptome, Blutdruckanstieg und Herzrasen können die Folge einer chronischen Vergiftung sein. Der kindliche Organismus kann bereits bei geringen Mengen des Schwermetalls überaus empfindlich reagieren. Im Säuglings- und Kleinkindalter können verschiedenartige Symptome und feinfleckige Ausschläge Ausdruck einer sogenannten Feer’schen Erkrankung sein.
Bei der Stilllegung von Industrieanlagen sind häufig gefährliche Substanzen zurückgelassen worden. Zumindest dokumentieren dies die Vergiftungsunfälle, die sich in brachliegenden Industriegeländen ereignet haben - meist mit Quecksilber. Vor allem Kinder scheinen fasziniert zu sein von dem „lebendigen Silber“, das sie von den vermeintlichen „Abenteuerspielplätzen“ oft heimlich mit nach Hause bringen. Insgesamt erhielt das BfR im Jahr 2009 Kenntnis von 26 Vergiftungsunfällen durch Quecksilber, die in Industriebrachen vorgefallen sind. Auch in den Jahren davor wurden Fälle dokumentiert. In der Broschüre „Ärztliche Mitteilungen 2009“, das von der am BfR angesiedelten Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen herausgegeben wird, werden Vergiftungsfälle bei Kindern beschrieben. Die Kinder mussten stationär behandelt werden; in einem Fall wurde von schweren Spätfolgen berichtet.
Die Broschüre „Ärztliche Mitteilungen“ bei Vergiftungen enthält eine Übersicht über alle dem BfR gemeldeten Vergiftungen des Jahres 2009. Diese stammen von Ärzten und Medizinern von Kliniken, Arztpraxen, Giftinformationszentren und Berufsgenossenschaften, die nach § 16e des Chemikaliengesetzes zur Meldung von Vergiftungsfällen verpflichtet sind. Insgesamt erhielt die Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen im Berichtsjahr 3493 Meldungen. Die Broschüre „Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 2009“, die sich besonders an Ärzte, Klinik- und Rettungspersonal richtet, ist kostenlos beim BfR erhältlich [siehe unten].