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Farbaufnahme des Sternentstehungsgebiets um den Stern Rho Ophiuchi, etwa 400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit dem APEX-Teleskop in Chile haben Forscher in dieser Region zum ersten Mal das Molekül Wasserstoffperoxid im Kosmos nachgewiesen. Der Fundort ist durch einen roten Kreis markiert. Rho Ophiuchi ist der helle Stern inmitten der blauen Region im oberen Bildteil. Als hellster Stern im Gesichtsfeld leuchtet der gelblich erscheinende Antares in der unteren Bildhälfte. Rechts davon ist der Kugelsternhaufen Messier 4 sichtbar.
[Bildquelle: ESO / S. Guisard] |

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Das APEX-Teleskop in Chile bei Sonnenuntergang.
[Bildquelle: Bérengère Parise] |
Für seine Beobachtungen nutzte das internationale Team das Submillimeterteleskop APEX (Atacama Pathfinder Experiment), das gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, dem schwedischen Onsala Space Observatory und der Europäischen Südsternwarte in 5100 Metern Höhe auf der Chajnantor-Ebene in den chilenischen Anden betrieben wird.
In der durchsuchten Region in der Nähe des Sterns Rho Ophiuchi im Sternbild Schlangenträger befinden sich extrem kalte (minus 250 Grad Celsius) und dichte Gas- und Staubwolken, in denen neue Sterne geboren werden. Diese Wolken bestehen überwiegend aus Wasserstoff; darin befinden sich aber auch Spuren anderer chemischer Stoffe. Dadurch sind sie erstklassige Zielorte bei der Jagd nach Molekülen im interstellaren Raum.
Während ihrer Suche in dem Gebiet haben die Astronomen in der Radiostrahlung die charakteristische Signatur von Wasserstoffperoxid identifiziert. „Dieser Nachweis ist ein aufregendes Ergebnis“, sagt Per Bergman, Astronom am schwedischen Onsala Space Observatory. „Wir wussten von Laborexperimenten bereits genau, bei welcher Wellenlänge wir danach suchen mussten, aber die Häufigkeit dieses Moleküls liegt nur bei einem Zehnmilliardstel jener von Wasserstoffmolekülen. Für die Entdeckung solch geringer Spuren waren sehr sorgfältige Messungen erforderlich.“
Wasserstoffperoxid (H2O2) ist ein Schlüsselmolekül sowohl für Astronomen wie auch für Chemiker. Seine Entstehung steht in enger Verbindung mit zwei sehr vertrauten Molekülen: Sauerstoff und Wasser. Beide stellen unverzichtbare Voraussetzungen dar für Leben, wie wir es auf der Erde kennen. Da ein überwiegender Anteil des Wassers auf unserer Erde vermutlich im Weltall entstanden ist, sind die Wissenschaftler sehr daran interessiert, zu verstehen, wie dieser Prozess ablief.
Man nimmt an, dass sich Wasserstoffperoxid im Universum auf den Oberflächen von kosmischen Staubkörnern bildet – sehr feinen Partikeln, die Sand oder Ruß ähneln. Dabei wird atomarer Wasserstoff (H) zu Sauerstoffmolekülen (O2) hinzugefügt. Eine weitere chemische Reaktion des Wasserstoffperoxids mit Wasserstoff kann dann zur Entstehung von Wasser führen (H2O).
„Wir wissen im Moment noch nicht, wie einige der wichtigsten Molekülarten hier auf der Erde im Weltraum gebildet werden“, sagt Bérengère Parise, die Leiterin der Emmy-Noether-Forschungsgruppe zur Sternentstehung und Astrochemie am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie. „Aber unsere Entdeckung von Wasserstoffperoxid dürfte belegen, dass kosmischer Staub die bisher fehlende Zutat in diesem Prozess darstellt.“
Die Ausarbeitung, wie genau die Prozesse zur Entstehung dieser wichtigen Moleküle miteinander in Verbindung gebracht werden können, erfordert weitere Beobachtungen von Rho Ophiuchi und anderen Sternentstehungsgebieten mit zukünftigen Teleskopen wie etwa ALMA (Atacama Large Millimetre Array), das zurzeit ebenfalls auf der Chajnantorebene gebaut wird – und die Unterstützung durch Chemiker in irdischen Laboratorien.
Die Teammitglieder waren Per Bergman (Onsala Space Observatory, Chalmers University of Technology, Onsala, Schweden), Bérengère Parise (Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn), Robert Liseau (Chalmers University of Technology, Onsala, Schweden), Bengt Larsson (Stockholm University, Schweden), Hans Olofsson (Onsala Space Observatory, Chalmers University of Technology, Onsala, Schweden), Karl M. Menten und Rolf Güsten (beide Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn).
Das Atacama Pathfinder Experiment (APEX) ist ein gemeinsames Projekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) mit dem Onsala Space Observatory (OSO) und der Europäischen Südsternwarte (ESO). Es dient dem Bau und Betrieb einer modifizierten Prototyp-Antenne von ALMA (Atacama Large Millimetre Array) als Einzelteleskop auf einem in 5100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gelegenen Standort in der Chajnantor-Ebene (Atacama-Wüste, Chile). Das Teleskop wurde von der VERTEX-Antennentechnik in Duisburg gebaut. Der Betrieb des Teleskops erfolgt durch die ESO.
Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) möchte jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbstständigkeit eröffnen. Promovierte Forscherinnen und Forscher erwerben durch eine in der Regel fünfjährige Förderung die Befähigung zum Hochschullehrer durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe.
Pressemitteilung des
Max-Planck-Instituts für Astronomie:
Wasserstoffperoxid im Weltraum entdeckt
Astronomen haben mithilfe des
APEX-Teleskopes, das von der ESO in Chile
betrieben wird, erstmals
Wasserstoffperoxidmoleküle im interstellaren
Raum nachweisen können. Damit konnte erstmals
ein Anhaltspunkt für die chemische Kopplung
zwischen zwei Verbindungen gefunden werden, die
essentiell für das Leben im Universum sind,
nämlich Wasser und Sauerstoff. Auf der Erde ist
Wasserstoffperoxid hauptsächlich als
Desinfektionsmittel und als Bleiche zum
Blondieren bekannt. Es spielt aber auch eine
entscheidende Rolle bei den chemischen
Reaktionen von Wasser und Ozon in der
Erdatmosphäre.
Das neue Ergebnis geht auf die Arbeit eines
international besetzten Astronomenteams zurück,
das Beobachtungen mit dem „Atacama Pathfinder
Experiment“-Teleskop APEX durchgeführt hat. APEX
befindet sich auf der 5000 Meter über dem
Meeresspiegel gelegenen Hochebene Chajnantor in
den chilenischen Anden. Die Astronomen haben das
Teleskop verwendet um eine Himmelsregion nahe
des Sterns Rho Ophiuchi, der sich in etwa 400
Lichtjahren Entfernung im Sternbild
Schlangenträger in unserer Milchstraße befindet,
genauer zu untersuchen. Die Umgebung des Sterns
ist reich an Wolken aus kühlem Gas und Staub mit
Temperaturen um die -250°C, in denen neue Sterne
entstehen. Das Nebelgebiet besteht größtenteils
aus molekularem Wasserstoff, enthält aber auch
Spuren von anderen Molekülen. Es bietet sich
daher als Beobachtungsziel für Astronomen an,
die auf der Suche nach bestimmten chemischen
Verbindungen im Weltraum sind. Teleskope wie
APEX, die nicht im sichtbaren Licht arbeiten
sondern Millimeter- und Submillimeterwellen
registrieren, sind ideal, um charakteristische
Signale der verschiedensten Sorten von Molekülen
nachzuweisen.
Jetzt ist den Wissenschaftlern der Nachweis
von Submillimeterwellen mit der
charakteristischen Signatur von
Wasserstoffperoxid aus einem Bereich der Nebel
um Rho Ophiuchi gelungen.
“Die Entdeckung des Signals von
Wasserstoffperoxid mit APEX war für uns ein
freudiges Ereignis. Aus Laborexperimenten
wussten wir zwar, bei welchen Wellenlängen wir
suchen mussten, aber die Wolken enthalten nur
ein einziges Wasserstoffperoxidmolekül auf 10
Milliarden Wasserstoffmoleküle. Ein Nachweis
erfordert daher äußerst präzise Messungen”,
erzählt Per Bergman, Astronom am
Weltraumobservatorium Onsala in Schweden.
Bergman ist der Erstautor der Studie, in der die
Entdeckung beschrieben wird und die vor Kurzem
in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics
erschienen ist.
Wasserstoffperoxid, das aus Wasserstoff- und
Sauerstoffatomen besteht (chemische Summenformel
H2O2) spielt eine Schlüsselrolle bei der Frage,
wie in den Tiefen des Alls Wasser entstehen kann
– und damit die Grundlage für Leben, wie wir es
kennen. Auch der größte Teil des Wassers, das
wir heutzutage auf der Erde finden, dürfte sich
im Weltraum gebildet haben. - Die Entdeckung von
Wasserstoffperoxid könnte den Astronomen auch
bei der Lösung des Rätsels helfen, warum
Sauerstoffmoleküle im Weltall nur schwer zu
finden sind. Erst 2007 konnte man kosmische
Sauerstoffmoleküle mithilfe des Satelliten Odin
nachweisen.
Den aktuellen Modellen zufolge bildet sich
Wasser in mehreren Schritten. Im ersten Schritt
bildet sich an der Oberfläche von kosmischen
Staubkörnern und Rußpartikeln durch Anlagerung
von Wasserstoff (H) an Sauerstoffmolekülen (O2)
Wasserstoffperoxid. Im nächsten Schritt entsteht
aus dem Wasserstoffperoxid und weiterem
Wasserstoff dann Wasser (H2O). Der Nachweis von
Wasserstoffperoxid bestätigt einen zentralen
Aspekt dieser Modelle und trägt damit zu einem
besseren Verständnis der Entstehung von Wasser
im Kosmos bei.
“Wir wissen immer noch nicht, wie sich einige
der wichtigsten chemischen Verbindungen auf der
Erde im Weltraum bilden. Unsere Entdeckung von
Wasserstoffperoxid weist darauf hin, dass dabei
das Vorhandensein von Staubpartikeln
entscheidend ist”, ergänzt Bérengère Parise,
Leiterin der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe für
Sternentstehung und Astrochemie am
Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn
und Koautorin der Veröffentlichung.
Um herauszufinden, wie die Entstehung der für
unser irdisches Leben so wichtigen Moleküle,
Wasser und Wasserstoffperoxid, miteinander
zusammenhängen, sind weitere Beobachtungen der
Nebel um Rho Ophiuchi und anderer Molekülwolken,
in denen Sterne entstehen. Dabei müssen künftige
Teleskopen wie das Atacama Large
Millimeter/submillimeter Array (ALMA) eingesetzt
werden – und es bedarf der Unterstützung von
Chemikern in ihren Laboren auf der Erde.