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Magnetisierend - Bakterien werden durch Färbung mit Kristallviolett (CV) oft in Gram-positive und Gram-negative Stämme klassifiziert. Die bioorthogonale Modifikation von CV mit trans-Cycloocten kann zur Magnetisierung Gram-positiver Bakterien mit Tetrazin-funktionalisierten magnetischen Nanopartikeln (MNP-Tz) genutzt werden. Die Methode ermöglicht die klassenspezifische automatische magnetische Detektion und Trennung von Bakterien.
[Quelle: Angewandte Chemie] |
Die Gramfärbung wurde vor etwa hundert Jahren vom dänischen Bakteriologen Hans Christian Gram entwickelt. Bakterienkulturen werden dazu mit dem Farbstoff Kristallviolett gefärbt, der sich in die Mureinschicht der Bakterienzellwände einlagert. Durch Behandlung mit iodhaltiger Lösung entstehen wasserunlösliche Komplexverbindungen zwischen Kristallviolett und Iod. Es gibt zwei Klassen von Bakterien, die sich im Aufbau ihrer Zellwände unterscheiden. Die einen sind von einer dicken Mureinschicht umhüllt, die anderen Bakterien tragen nur eine dünne Mureinschicht. Während die anschließende Behandlung mit Ethanol den Farbkomplex aus der dünnen Mureinschicht herauslöst, bleibt er in der dicken Mureinschicht fest eingelagert. Bakterien, die sich so entfärben lassen, nennt man gramnegativ, solche, die dunkelviolett bleiben, grampositiv.
Wissenschaftler um Ralph Weissleder an der Harvard University in Boston (USA) haben die Gram-Färbung nun weiterentwickelt zu einem magnetischen Detektionsverfahren. Dazu knüpften sie einen „molekularen Haken“ an die Kristallviolett-Moleküle. Die Färbung läuft mit diesem modifizierten Farbstoff genauso wie mit dem Original. Nach der Färbung werden dann über die zu den „Haken“ passenden „Ösen“ magnetische Nanopartikel an den Farbstoff angehängt. Die Bakterien können nun einfach quantifiziert werden: Kernresonanz (NMR)-Geräte detektieren die Magnetisierung der Nanopartikel.
Man könnte vor dem Waschen mit Ethanol eine NMR-Messung durchführen, um die Summe an grampositiven und gramnegativen Bakterien zu erhalten, und einmal nach dem Waschschritt, um die Konzentration an grampositiven Bakterien zu ermitteln.
Vorteil der magnetischen Detektion ist ihre hohe Empfindlichkeit. Proben könnten möglicherweise ohne vorherige Aufreinigung und ohne eine Kultur der Bakterien direkt magnetisiert und gemessen werden. Mithilfe einfacher, aber empfindlicher miniaturisierter Mikro-NMR-Geräte, wie sie in der Arbeitsgruppe entwickelt wurden, ist eine rasche, aber empfindliche Vor-Ort-Diagnose denkbar. Außerdem könnte die Magnetisierung auch zur Abtrennung der Bakterien aus der Probe genutzt werden.
Über den Autor
Dr. Weissleder ist Professor an der Harvard Medical School, Direktor des Center for Systems Biology am Massachusetts General Hospital (MGH) und behandelnder Arzt am MGH. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der Entwicklung neuartiger molekularer Bildgebungsverfahren, Werkzeugen für die Früherkennung von Krankheiten, der Entwicklung von Nanomaterialien für Sensortechnik und Systemanalyse. Er ist Mitglied des US National Academies Institute of Medicine.