[ Sitemap ] [ Kontakt ] [ Impressum ] [ ]


Home



Aktuelles

Mehr Chemie Nachrichten

Neueste Forschungsartikel

Stellenmarkt Chemie


Chemie A bis Z

Index Chemie

Chemikalien

Internetchemie Lexikon

Produkte und Firmen


About Internetchemie

Internetchemie

Impressum


English News



Artikel lesen ...

Publiziert am 19.11.2007 Infos zum Internetchemie RSS News Feed

Epothilon - Krebsmedikament auf Naturstoffbasis


 
Berlin/Braunschweig - Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben eine Klasse von Naturstoffen entdeckt, die von Bodenbakterien produziert werden und Körperzellen an der Teilung hindern. Nach Jahren eingehender Forschung bringt das amerikanische Pharma-Unternehmen Bristol-Myers Squibb diesen Wirkstoff nun als Krebsmedikament auf den US-Markt.

Die Epothilone, die Prof. Dr. Gerhard Höfle und Prof. Dr. Hans Reichenbach vom HZI bereits seit mehr als 20 Jahren untersuchen, werden von Myxobakterien produziert, die im Boden leben. Epothilone blockieren die so genannten Mikrotubuli in Körperzellen, so dass Zellen sich nicht mehr teilen können, absterben und abgebaut werden. Auf Krebszellen, die sich ja gerade durch hemmungslose Teilung auszeichnen, wirkt Epothilon besonders stark: Der Tumor kann schrumpfen und sogar verschwinden.

Epothilon B

Epothilon B

"Ich gratuliere den Infektionsforschern vom HZI zu diesem großen Erfolg. Epothilon könnte in Zukunft vielen Patienten helfen, den Krebs zu besiegen. Das Beispiel zeigt aber auch deutlich, wie wichtig es ist, mit langem Atem Grundlagenforschung zu fördern. Denn die Epothilone sind eine völlig neue Klasse von Wirkstoffen, die zunächst aus wissenschaftlichem Interesse und nicht gezielt unter dem Aspekt der Krebsbehandlung untersucht wurden", sagt Professor Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb hat die Substanz namens Epothilon B vom HZI einlizenziert und nun bis zur Marktreife entwickelt. Mediziner in den USA können sie ab sofort unter dem Handelsnamen Ixempra gegen Brustkrebs einsetzen, der bereits Metastasen gebildet hat und gegen andere Medikamente resistent ist. In Europa wird es voraussichtlich im kommenden Jahr zugelassen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 26.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).


Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung gibt dazu bekannt:

HZI-Molekül wird Krebsmedikament in den USA

Balling: Riesiger Erfolg für biomedizinische Forschung in Deutschland

Das Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb (BMS) bringt jetzt ein Krebsmedikament gegen metastasierenden Brustkrebs namens IXEMPRA auf den US-amerikanischen Markt. Der darin enthaltene Wirkstoff ist von Epothilon B abgeleitet, einem Naturstoff, den Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig entdeckt und erforscht haben. BMS hat die Epothilon-Technologie 1997 vom HZI einlizenziert und bis zur Marktreife weiter entwickelt. Mediziner in den USA können das Medikament ab sofort gegen Brustkrebs einsetzen, der bereits Metastasen gebildet hat und gegen andere Medikamente resistent ist. Pharmaexperten trauen Ixempra ein großes Potential als Brustkrebsmedikament zu - und später auch gegen andere Krebsarten. In Europa wird es voraussichtlich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres zugelassen.

Bereits in den 1980er Jahren haben die Wissenschaftlerteams um den Chemiker Prof. Gerhard Höfle und den Biologen Prof. Hans Reichenbach an der damaligen Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF), dem heutigen HZI, die Epothilone entdeckt. Diese neue Klasse biologisch aktiver Naturstoffe stammt aus den im Boden lebenden Myxobakterien. Epothilone wirken auf die so genannten Mikrotubuli in Körperzellen. Diese mikroskopisch kleinen Proteinröhrchen teilen die Chromosomen, die Träger der Erbinformation, während der Zellteilung auf die Tochterzellen auf. Kommen Epothilone in die Zelle, blockieren sie die Mikrotubuli - die Zellen können sich nicht teilen, sterben ab und werden abgebaut. Da Krebszellen sich besonders häufig teilen, reagieren sie sehr empfindlich auf das Epothilon. Die Folge: Tumore werden im Wachstum gebremst, schrumpfen und verschwinden.

Am Anfang des Entwicklungsprozesses stand die Beobachtung des Mikrobiologen Dr. Klaus Gerth aus Reichenbachs Team, dass ein spezieller Stamm von Myxobakterien eine interessante Substanz produziert: Sie kann lebende Zellen abtöten. Dr. Norbert Bedorf aus Höfles Abteilung Naturstoffchemie stellte die Substanz erstmals in reiner Form her und klärte ihre chemische Struktur auf - Epothilon hatte die Bühne der Pharmaforschung betreten.

Dann folgten weitere Jahre intensiver Forschung: Neben der Optimierung der chemischen Struktur musste die Produktion des Epothilons verbessert werden. Dafür wurden die Myxobakterien genetisch verändert und ihre Lebensbedingen in Bioreaktoren so optimiert, dass sie das potenzielle Krebsmittel in ausreichender Menge herstellten. Dieser Produktionsprozess diente BMS dann als Basis für die Herstellung des Medikaments. Danach entwickelte BMS eine halbsynthetische Variante des Epothilon B und führte die vorklinischen sowie dann die weltweiten klinischen Studien am Menschen durch, um die Zulassung zu beantragen.

"Epothilon beweist, dass die öffentliche biomedizinische Forschung in Deutschland Weltklasse hat und Lösungen für die drängenden Gesundheitsprobleme der Menschen erarbeiten kann", freut sich Prof. Dr. Rudi Balling, wissenschaftlicher Direktor des HZI über das Ergebnis: "Gerade in der Helmholtz-Gemeinschaft ist es uns gelungen, exzellente Grundlagenforschung mit der Perspektive auf die industrielle Anwendung zu verbinden." Dazu sei aber auch ein langer Atem erforderlich, wie die Erfolgsgeschichte des Epothilons zeige.

Genau diese Ausdauer gepaart mit wissenschaftlicher Kreativität war Höfles und Reichenbachs Schlüssel zum Erfolg: "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir und unser Team dazu beigetragen haben, diese neue Art der Krebstherapie zu entwickeln. Jetzt ernten wir die Früchte von 30 Jahren biologischer und chemischer Forschungsarbeit."


 

Quellen und Artikel:

-

Video: Epothilon - ein HZI-Molekül wird zum Krebsmedikament

-

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

-

Quelle: Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

 

Ähnliche Artikel:

-

Argyrin: Naturstoff weckt Hoffnung auf neue Krebstherapien

-

Wogonin: Pflanzeninhaltsstoff mit selektiver Wirkung auf Krebszellen

-

Chemiker und Informatiker kämpfen gemeinsam gegen Krebs

 

Weitere Informationen:

-

Informationen und Informationsquellen zu den Epothilonen

-

Krebs - molekulare Grundlagen

-

Krebsforschung - aktuelle Fachartikel

-

... zum Thema (Hintergrundinformationen, Forschungsartikel etc.): Siehe Menüleiste oben links

-

Ihre Pressemitteilung veröffentlichen ...




 


Suche nach themenverwandten Internetseiten:


Information nicht gefunden?
Versuchen Sie es hier!


Benutzerdefinierte Suche


Internetchemie © 2007 - 2015 A. J.; aktualisiert am 29.09.2009