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Stradivari-Lack Analyse

Geheimnis um die Zusammensetzung des Lacküberzugs von Stradivari-Geigen gelüftet.




Abbildung unten: Worin besteht Stradivaris Geheimnis? Die Zusammensetzung des mythischen Lacküberzugs auf den Geigen von Stradivari sorgte in den vergangenen zwei Jahrhunderten für kontroverse Vermutungen. Anhand einer Reihe von analytischen Verfahren wurde der chemische Aufbau dieser Lacke festgestellt. Die Resultate geben Aufschluss über die Materialien und Pigmente, die der Geigenbaumeister verwendete, und ermöglichen eine detaillierte Beschreibung seines Lacks. [Bildquelle: Angewandte Chemie, Wiley-VCH]
Analyse des Stradivari-Lacks

Antonio Stradivari ist der wohl bekannteste Instrumentenbauer aller Zeiten. Er wurde vor allem berühmt für seine Geigen, die er in Cremona zwischen etwa 1665 und seinem Tod im Jahr 1737 herstellte. Insbesondere der legendäre Lack seiner Instrumente hat Musiker, Geigenbauer, Historiker und Chemiker seit Anfang des 19. Jahrhunderts fasziniert - und kontroverse Vermutungen über "geheime" Zutaten beflügelt.

Anhand Verfahren der Analytischen Chemie gelang es einem Team aus Wissenschaftlern französischer und deutscher Institutionen nun, Licht ins Dunkel dieses Mythos zu bringen. Wie die Forscher um Jean-Philippe Echard (Cité de la musique - Musée de la musique, Paris) und Loïc Bertrand (IPANEMA - Synchrotron SOLEIL, Gif-sur-Yvette) in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, nutzte Stradivari durchaus geläufige und leicht erhältliche Materialien, die im 18. Jahrhundert in Kunsthandwerk und Malerei verbreitet waren.

Das Team untersuchte fünf Stradivari-Geigen, die seit mindestens einem Jahrhundert Bestandteil der Sammlung des Musée de la musique sind: Ein "Allongé"-Model, vermutlich aus dem Jahr 1692, die auf 1708 datierte "Davidoff", die "Provigny" von 1716 (das Bild zeigt einen Querschnitt ihres Lacks, unten das Holz), die "Sarasate" von 1724 und den Kopf einer Viola d"amore, datiert um 1720. An sorgfältig ausgewählten Stellen nahmen die Forscher Proben, die sowohl Holz als auch Lack enthielten, und unterzogen diese sich ergänzenden spektroskopischen und mikroskopischen Methoden.

"Obwohl alle fünf Instrumente in einem Zeitraum von drei Jahrzehnten hergestellt wurden, sind ihre Lacke sehr ähnlich", erläutert Echard. "Stradivari trug zunächst eine Schicht aus einem Öl, ähnlich wie es Maler dieser Epoche benutzten, ohne Füllstoffe oder Pigmente als Versiegelung auf das Holz auf. Eine mineralreiche Schicht, wie in früheren Arbeiten vermutet, fanden wir hier nicht. Anschließend trug der Geigenbaumeister eine leicht getönte Öl-Harz-Schicht auf. Hypothesen über die Verwendung von proteinhaltigen Materialien, Gummen oder fossilem Bernstein können wir nicht bestätigen."

Im "Allongé"-Modell fanden die Forscher in der oberen Lackschicht keine Pigmente. Bei der "Sarasate" hatten sie in früheren Untersuchungen das rote Pigment Zinnober gefunden. Jetzt wiesen sie zwei weitere rote Pigmente in Stradivaris Lackschichten nach: rote Eisenoxide sowie einen Anthrachinonfarbstoff, wahrscheinlich Cochenille (Karmesin)-Farblack auf Aluminiumoxid. "Eine ganze Bandbreite verschiedener Techniken war unabdingbar, um solche komplexen Mikroproben analysieren zu können", betont Bertrand.

Damit nutzte Stradivari Materialien, die zu seiner Zeit leicht erhältlich und verbreitet waren. Durch die Verwendung von mehreren roten Pigmenten fand er eine Vielzahl von Farbnuancen für seine Instrumente, die noch heute für ihr herrliches Erscheinungsbild hoch gelobt werden. Echard: "Stradivari hat also keine ungewöhnlichen oder gar geheimen Zutaten verwendet, sondern war einfach ein wahrhafter Meister seines Handwerks."


Zusatzinformationen:

Jean-Philippe Echard, Dr. Loïc Bertrand, Dr. Alex von Bohlen, Dr. Anne-Solenn Le Hô, Dr. Céline Paris, Dr. Ludovic Bellot-Gurlet, Balthazar Soulier, Dr. Agnès Lattuati-Derieux, Sylvie Thao, Dr. Laurianne Robinet, Prof. Bertrand Lavédrine, Stéphane Vaiedelich:
Zusammensetzung und Aufbau des berühmten Stradivari-Lackes.
In: Angewandte Chemie; online erschienen am 03. Dezember 2009, DOI 10.1002/ange.200905131

Quelle: Angewandte Chemie, Presseinformation Nr. 50/2009

 


Aktualisiert am 07.12.2009.



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